Die Frage, ob ein „Nein“ im Hundetraining Gewalt ist, kann nur beantwortet werden, wenn man die verschiedenen Ebenen auseinanderhält.
Genau das passiert in Diskussionen oft nicht.
Wenn man Gewalt als Zufügen von Schmerz, Angst oder massiver Bedrohung definiert (körperlich oder psychisch), dann ist ein neutrales, ruhig ausgesprochenes „Nein“ KEINE Gewalt.
Gewalt beginnt dort, wo:
Definitionen Gewalt (fachlich & nachvollziehbar)
der absichtliche Einsatz von physischem oder psychischem Zwang, um andere zu verletzen, und umfasst körperliche (Schlagen, Treten) und psychische (Leid, Angst, Bedrohung) Formen, um Verhalten zu unterdrücken oder zu kontrollieren.
Es wird in Kauf genommen, dass die körperliche und geistige Unversehrtheit zerstört wird.
Entscheidend ist nicht das Wort, sondern die Wirkung und die Intention!
Definition Strafe (lerntheoretisch)
In der Lerntheorie ist Strafe:
eine Konsequenz, die ein Verhalten in seiner Häufigkeit reduziert, indem entweder etwas Unangenehmes hinzugefügt wird (positive Strafe) oder etwas Angenehmes entzogen wird (negative Strafe), um das Individuum dazu zu bringen, dieses Verhalten seltener zu zeigen, damit es die unangenehme Konsequenz vermeidet.
Also: Alles, was dazu führt, dass ein Verhalten seltener auftritt.
Wichtig:
Bestrafung
bezeichnet im allgemeinen sprachlichen und ethischen Verständnis das bewusste Auferlegen eines Nachteils als Reaktion auf ein als falsch bewertetes Verhalten.
Bestrafung setzt damit immer eine normative Bewertung voraus („Das war falsch“) und ist Ausdruck von Macht- und Normdurchsetzung.
Auf Tiere übertragen ist dieser Begriff problematisch, da Tiere keine moralische Schuld tragen und kein normatives „Fehlverhalten“ im menschlichen Sinne begehen können.
Die unterschiedlichen Ebenen
Signalebene
Das Wort „Nein“ ist für Hunde ein erlerntes akustisches Signal ohne angeborene Bedeutung. Das Wort selbst ist weder freundlich noch gewalttätig.
Lerntheoretische Ebene
Ein „Nein“ kann als Abbruchsignal oder als Information dienen, dass ein Verhalten nicht zum Ziel führt. Lerntheoretisch fällt es damit unter den Begriff „Strafe“, der wertfrei beschreibt, dass ein Verhalten seltener wird. Strafe ist kein moralischer Begriff und nicht automatisch Gewalt.
Emotionale Ebene des Hundes
Hunde reagieren emotional auf Tonfall, Körpersprache, Situation und Vorerfahrungen. Dabei können Frustration, Irritation oder auch Unsicherheit entstehen.
Beziehungsebene
In einer stabilen, vorhersehbaren Beziehung kann ein Hund ein „Nein“ einordnen. In einer unsicheren Beziehung kann dasselbe Signal bedrohlich wirken. Die Beziehung beeinflusst die Wirkung, ersetzt aber keine Definition.
Intention des Menschen
Ein „Nein“ kann Orientierung geben oder Einschüchterung bezwecken.
Ob bewusst oder unbewusst – die Intention beeinflusst die Umsetzung, entscheidend bleibt jedoch die Wirkung auf den Hund.
Konsequenzebene
Was auf das „Nein“ folgt, ist zentral. Ohne Anschluss entsteht Verwirrung. Mit Drohung entsteht Angst. Mit Orientierung entsteht Lernen.
Fazit:
Ein „Nein“ ist nicht per se Gewalt.
Gewalt entsteht dort, wo Angst, Einschüchterung oder Schmerz als Trainingsmittel eingesetzt werden.
Klare, ruhige und vorhersehbare Grenzen sind keine Gewalt – Unberechenbarkeit und Angst schon.
Wie ein „Nein“ aber sinnvoll eingesetzt werden kann
Ein „Nein“ allein ist keine vollständige Information.
Damit ein Hund daraus lernen kann, muss es sinnvoll aufgebaut sein.
Ein lernförderndes „Nein“ besteht aus drei Teilen:
1. Klare & faire Grenze
Ein ruhiger, kontrollierter Abbruch des unerwünschten Verhaltens.
Kurz, eindeutig, ohne Einschüchterung.
Eine faire Grenze bedeutet, dass der Hund diese mit seinen momentanen Fähig- und Fertigkeiten auch Einhalten kann.
2. Konkrete Alternative
Unmittelbar danach folgt eine klare Handlungsanweisung:
„Das geht gerade nicht – aber das hier schon.“
Beispiele:
„Nein – bitte komm lieber zu mir.“
„Nein – warte bitte, wir müssen über die Strasse.“
3. Bestätigung der Alternative
Wird die Alternative gezeigt, wird sie bestätigt.
Hier entsteht Lernen – nicht beim „Nein“, sondern beim richtigen Verhalten.
Ein „Nein“ ohne Alternative führt zu Verwirrung oder Frust.
Ein „Nein“ mit Orientierung führt zu Verständnis und Kooperation.
Grenzen allein stoppen Verhalten.
Alternativen lehren Verhalten.
Gesamtfazit
Die Frage „Ist ein Nein Gewalt?“ lässt sich nicht mit Ja oder Nein beantworten, solange Begriffe, Ebenen und Kontexte vermischt werden.
Ein „Nein“ ist zunächst ein erlerntes Signal.
Erst seine Umsetzung, Einbettung und Wirkung entscheiden über seine Qualität.
Gewalt beginnt nicht dort, wo ein Hund begrenzt wird, sondern dort,
wo Angst, Einschüchterung oder Schmerz bewusst oder billigend als Mittel eingesetzt werden, um Verhalten zu kontrollieren – also physisch wie psychisch!
Hunde brauchen Orientierung, Vorhersehbarkeit und Beziehung – und dazu gehören auch klare und faire Grenzen, die sie auch nach ihrem aktuellenEntwicklungsstand einhalten können. Grenzen ohne Angst sind keine Gewalt - sondern Leitplanken.
Angst als Trainingswerkzeug hingegen schon!
Ein sinnvoll eingesetztes „Nein“:
Nicht das Wort ist das Problem, nicht die Grenze ist das Problem.
Das Problem ist der Einsatz von Angst statt Alternativen, die der Hund lernen kann.
Wer diese Ebenen trennt, kann fair diskutieren.
Wer sie vermischt, diskutiert emotional – aber nicht fachlich.
Aber am allerbesten ist es den Hund gar nicht erst in eine Situation kommen zu lassen, in dem man ihn korrigieren muss - ja klingt toll, im Alltag aber nicht immer möglich.
Deshalb ist es so wichtig den eigenen Hund in all seinen Facetten zu kennen und gemeinsam nach den besten gewaltfreien Lösungen zu suchen.
Lerne deinen Hund zu verstehen, SEINE Signale, SEINE Körpersprache.
Quellen & fachliche Grundlagen
Die im Text dargestellten Inhalte basieren auf anerkannten Erkenntnissen aus Lerntheorie, Verhaltensbiologie und Tierethik, u. a.:
Diese Quellen unterscheiden klar zwischen
Grenzsetzung, lerntheoretischer Strafe und Gewalt durch Angst oder Schmerz.
Werde ich es noch erleben, dass Hunde wirklich verstanden werden?
Dass man Hunde nicht mehr auf Symptome reduziert – sondern endlich ihre Sprache, ihr Erleben und ihre Bedürfnisse sieht?
Dass wir aufhören, sie in Schubladen zu stecken, ihnen Etiketten wie „aggressiv“, „dominant“, „respektlos“ oder "Problemhund" aufzudrücken, wenn sie eigentlich nur eins versuchen: sich auszudrücken.
Wenn ein Hund knurrt, schnappt oder beisst, ist das keine Charakterfrage. Es ist keine böse Absicht, kein Defekt im Wesen, kein genetisches Programm, das „durchbrennt“.
Es ist eine Reaktion. Eine Reaktion auf etwas, das zu viel ist.
Auf Überforderung, Angst, Schmerz, Unsicherheit, auf das Gefühl: „Ich weiss nicht mehr weiter.“
Aggression ist kein Rassemerkmal – sie ist Biologie.
Eine normale, tief im Nervensystem verankerte Überlebensstrategie, die alle Säugetiere nutzen. Auch wir Menschen. Wir flüchten, wir kämpfen, wir schreien, wir reagieren – je nachdem, wie gross unsere innere Not ist, die meist aus Angst und Unsicherheit besteht.
Warum also verurteilen wir Hunde dafür, dass sie genau das tun?
Wir alle – Hunde wie Menschen – haben nahezu identische Strukturen im Gehirn, wenn es um Stress, Angst und Reizverarbeitung geht.
Der Vergleich hinkt also nicht. Im Gegenteil – er zeigt, wie ähnlich wir sind. Nur dass der Hund meist keine Worte hat, sondern einen Ausdruck.
Und den zu bestrafen, statt zu verstehen, ist grausam und kurzsichtig.
Was wir als „Aggression“ sehen, ist oft nur das letzte Mittel in einer langen Kette von Warnsignalen. Abwenden, einfrieren, lecken, sich zurückziehen – viele dieser feinen Zeichen wurden ignoriert oder gar aktiv unterdrückt.
Und wenn gar nichts mehr hilft? Dann zeigt der Hund Zähne.
Weil er keine andere Sprache mehr hat.
Das wahre Problem ist nicht die Aggression.
Das wahre Problem ist, wie wir damit umgehen.
Wie wir sie sofort „wegtrainieren“, betäuben, bestrafen – statt zu hinterfragen, warum sie überhaupt da ist.
Es gibt keine schnellen, nachhaltigen Lösungen – nicht, wenn man wirklich heilen will.
Verstehen braucht Zeit.
Verbindung braucht Geduld.
Es gibt keine aggressiven Hunde.
Es gibt nur Hunde, die in einer Situation keine andere Strategie mehr hatten.
Hunde, denen nie jemand gezeigt hat, wie es anders geht.
Oder Hunde, deren Welt so überfordernd war, dass sie keinen anderen Weg mehr sahen.
Ich weiss nicht, ob ich es noch erleben werde, dass sich dieses Bild verändert. Dass wir aufhören, Symptome zu bestrafen. Dass wir endlich lernen, Verhalten zu verstehen – statt es zu bewerten.
Aber ich werde nicht aufhören, mich dafür einzusetzen.
Weil es nicht nur um Training geht.
Sondern um Haltung.
Um Empathie.
Und um Gerechtigkeit für die, die sich nicht selbst erklären können. 🐾
Lange Zeit wurde das Bild des "Rudeltieres Hund" geprägt von der Annahme, dass Hunde direkt vom Wolf abstammen und daher ein ähnliches Sozialverhalten zeigen müssten. Doch aktuelle Erkenntnisse aus der Wolfsforschung und Verhaltensbiologie zeigen ein deutlich differenzierteres Bild.
🔍 Was die Wissenschaft heute sagt:
Wölfe leben tatsächlich in sozialen Gruppen – diese bestehen jedoch nicht, wie früher oft behauptet, aus willkürlich zusammengewürfelten Tieren, die sich durch Dominanz und Rangordnung organisieren. Vielmehr handelt es sich um familiäre Strukturen – Elterntiere mit ihrem Nachwuchs, also ein Verbund, der auf Kooperation, Fürsorge und klaren Bindungen basiert.
Ein „Rudel“ im klassischen Sinn ist also keine lose Hierarchie, sondern eine familiäre Einheit.
Der Hund ist kein Wolf im Wohnzimmer.
Sie leben mit uns, nicht neben uns. Ihre Lebensweise ist auf den Menschen ausgerichtet – sozial, anpassungsfähig, oft hochindividualisiert.
Hunde bilden in Freiheit keine festen „Rudelstrukturen“ wie es aus der Wolfsforschung bekannt ist. Vielmehr orientieren sie sich an sozialer Nähe, Kooperationsbereitschaft, situativen Bindungen und individuellen Erfahrungen. Auch unter Hunden gibt es Freundschaften, Sympathien – aber keine starren Hierarchien mit Alpha und Omega.
🐕 Wölfe als Vorlage – ein Missverständnis
Hunde hingegen haben sich vor tausenden von Jahren eigenständig dem Menschen angeschlossen – vermutlich nicht direkt vom Wolf aus, sondern über Zwischenformen oder gemeinsame Vorfahren, deren Entwicklungsspanne bis heute nicht abschliessend geklärt ist. In jedem Fall aber ist ihre Sozialstruktur nicht einfach ein Abklatsch des Wolfsverhaltens.
Die Vorstellung vom Alphatier stammt ursprünglich aus Beobachtungen von Wölfen in Gefangenschaft – unter künstlichen Bedingungen. In freier Wildbahn leben Wölfe meist in Familienverbänden, nicht in zufällig zusammengewürfelten Rudeln mit Machtkämpfen. Und selbst dort herrscht keine ständige Dominanz, sondern Zusammenarbeit.
Daraus Regeln für unsere Hunde abzuleiten – etwa, dass sie unterdrückt oder ständig „geführt“ werden müssten – verkennt nicht nur ihr Wesen, sondern auch ihre Bedürfnisse.
In freier Umgebung schliessen sich Hunde (z. B. Strassenhunde) eher in lockeren Zweckgemeinschaften zusammen – kein echtes Rudel, sondern ein lockeres Netzwerk. Selbst hier sind stabile Strukturen selten. Es sind Einzelleben mit punktueller Kooperation, keine festen Hierarchien oder dauerhafte Gruppenbindungen. Sie sind soziale Alleingänger, wie es das bei Menschen auch gibt.
Hunde leben heute meist in menschlicher Obhut – als stark auf uns bezogene soziale Wesen. Sie haben in der Regel keine festen Gruppenbindungen zu Artgenossen, sondern bevorzugen Bindung an Menschen. Das heisst nicht, dass sie unsozial sind – im Gegenteil! Sie sind höchst soziale Tiere, aber eben nicht im Sinne eines „Rudeltiers“, das ohne enge Bindung zu Artgenossen nicht existieren kann. Meist reichen ihnen 2-3 nette Hundekumpels zur Interaktion mit Artgenossen völlig aus.
💡 Was bedeutet das für den Alltag mit Hund?
Und auch unter Haushunden sieht man:
Viele Hunde wählen ihre Kontakte sehr selektiv. Das Zwangszusammenleben mit anderen Hunden in Haushalten oder Gruppen ist für viele eher belastend als bereichernd – ausser, es besteht echte Vertrautheit oder es wurde früh positiv aufgebaut. Die romantische Vorstellung vom "Rudel" in der Mehrhundehaltung entspricht dabei eher einem menschlichen Wunschbild als einer biologischen Realität.
Wir brauchen keine „Rudelführer“, keine erzwungene Unterordnung. Hunde brauchen Klarheit, Sicherheit, verlässliche Bezugspersonen – aber keine starren Regeln nach Dominanzprinzipien.
Sie brauchen Beziehung - nicht Beherrschung.
Verstehen statt Verwalten.
Kooperation statt Kontrolle.
Wir dürfen unsere Hunde als das sehen, was sie heute sind:
Sozialpartner – individuell, klug, sensibel.
Und keine wilden Wölfe, die nur auf ein „Kommando“ warten.
📚 Wissenschaftlicher Hintergrund:
Dieser Beitrag orientiert sich an modernen Erkenntnissen der Canidenforschung – etwa durch das Wolf Science Center, Studien von L. David Mech sowie internationale Fachartikel zu freilebenden Hunden, Domestikation und Sozialverhalten. Veraltete Theorien rund um Rudelstrukturen, Dominanz oder Alphatiere gelten heute weitgehend als überholt.
Quellen:
Immer wieder hört man den Vorwurf: „Du vermenschlichst deinen Hund!“ - oft sogar dann, wenn wir einfach nur fürsorglich sind.
Aber was heisst das eigentlich – und wo beginnt diese „Vermenschlichung“ wirklich?
➡️ Ist es vermenschlichend, wenn ich meinem Hund eine bequeme Decke hinlege?
➡️ Wenn ich erkenne, dass er Angst hat, zu mir kommt und ihn tröste?
➡️ Wenn ich mich frage, wie es ihm gerade emotional geht?
Oder ist es vielleicht einfach nur: Mitgefühl, Aufmerksamkeit, Bindung & Beziehung? 💛
Vermenschlichung bedeutet, dass wir hündisches Verhalten durch eine rein menschliche Brille deuten – und dadurch oft falsch verstehen oder fehlleiten.
Zum Beispiel:
– Wenn wir denken, der Hund „will uns ärgern“, weil er etwas kaputt gemacht hat
– Wenn wir glauben, er sei „stolz“, weil er mit erhobenem Kopf läuft
– Wenn ich glaube, er hat „schlechtes Gewissen“, weil er kauernd unterm Tisch liegt und vorher etwas angestellt hat
– Wenn wir erwarten, dass er „dankbar“ sein müsste, weil er adoptiert wurde
❌ Das ist Vermenschlichung.
Weil wir unserem Hund Emotionen, Motive oder Gedanken zuschreiben, die aus unserer menschlichen Welt stammen – nicht aus seiner.
✅ Aber es ist NICHT vermenschlichend,
- wenn wir seinen Schmerz ernst nehmen
- wenn wir Rücksicht nehmen
- wenn wir seine Bedürfnisse wahrnehmen und in Beziehung treten – mit Respekt für sein Wesen als Hund
Mitgefühl ist keine Vermenschlichung!
➡️ Es bedeutet, dass ich ihn als fühlendes, soziales Wesen ernst nehme.
➡️ Dass ich auf seine Bedürfnisse eingehe – hundgerecht, nicht menschlich gedacht.
Ein Hund ist ein Hund.
Er ist ein fühlendes Lebewesen – mit Emotionen, Bedürfnissen, Vorlieben, Bindungen.
Und die dürfen wir sehen. Wir sollten sie sogar sehen.
Der Unterschied liegt also nicht im Tun, sondern in der Interpretation:
– Beobachten & verstehen = Beziehung & Respekt
– Bewerten & vermenschlichen = Missverständnis & Fehlleitung
Fazit:
Ein Hund ist kein Mensch.
Aber ein Hund ist auch nicht „nur“ ein Tier.
Er ist ein empfindsames, kommunikatives Wesen – mit eigenen Bedürfnissen, Emotionen und Ausdrucksformen.
Wenn wir ihm auf dieser Ebene begegnen, ist das keine Vermenschlichung.
Es ist Beziehung auf Augenhöhe – mit Herz, Verstand und Respekt für das Hundsein.
➡️Weil sie einfach sind.
➡️Weil sie klar erscheinen.
➡️Weil sie Menschen in eine Rolle bringen, die ihnen Sicherheit gibt – selbst wenn sie auf falschen Annahmen basiert.
Die Vorstellung vom „Alphatier“, vom Hund als rangorientiertem „Meutewesen“, das nur durch klare Dominanz zu führen sei, stammt aus längst überholten Wolfsbeobachtungen in Gefangenschaft – und hat sich trotzdem tief ins kollektive Denken eingebrannt.
Warum?
Weil sie sich gut verkaufen lässt.
Weil sie schnelle Erklärungen liefert für komplexe Verhaltensweisen.
Weil sie den Menschen in die mächtige Rolle des „Rudelführers“ hebt – und Verantwortung vermeintlich einfach macht.
➡️Verhaltensbiologie?
➡️Emotionsregulation?
➡️Bindungsbedürfnis?
➡️Körpersprache?
Alles zu kompliziert.
Da ruft man lieber „Nein! Aus! Platz!“ und glaubt, das reiche aus.
Hinzu kommt:
Diese Mythen wurden jahrelang in Hundeschulen, TV-Shows, Büchern und Foren weitergetragen.
Und was man lange genug hört, hält man irgendwann für wahr.
Selbst dann, wenn aktuelle Forschung längst etwas anderes zeigt.
❌ Dabei ist Dominanz kein Trainingsstil ❗️
Und ein Hund, der bellt oder nicht hört, ist nicht „respektlos“ – sondern kommuniziert.
Kontrolle ersetzt keine Beziehung.
✅ Wirkliche Veränderung beginnt da, wo wir uns trauen, diese alten Denkmuster zu hinterfragen.
✅ Wo wir nicht nur „erziehen“, sondern verstehen.
✅ Wo wir nicht „führen“, sondern begleiten.
✅ Wo wir auf Augenhöhe mit einem Lebewesen leben, das uns vertraut – nicht, weil es muss, sondern weil es will. Denn echtes Verstehen bedeutet mehr als Kontrolle.
Es bedeutet, den Hund in seiner Persönlichkeit zu sehen. Seine Emotionen ernst zu nehmen. Seine Kommunikation zu entschlüsseln. Und ihm die Möglichkeit zu geben, sich selbst wirksam zu erleben.
✅ Ein Hund, der gehört wird, lernt nachhaltig.
✅ Nicht durch Angst, sondern durch Vertrauen.
✅ Nicht durch Unterdrückung, sondern durch Orientierung.
Statt blosser Reaktion entsteht ein echtes Verständnis für Zusammenhänge.
Der Hund beginnt zu erkennen:
„Wenn ich mich so verhalte, passiert das.“
Das ist Lernen, das bleibt.
Weil es nicht auf Zwang, sondern auf Erfahrung beruht.
Und auch für den Menschen verändert sich etwas:
Plötzlich geht es nicht mehr um Befehle und Gehorsam.
Sondern um Beziehung, um Miteinander, um die feinen Signale, die vorher unsichtbar waren.
✅ Der Weg über Verständnis ist nicht der schnellste – aber er ist der ehrlichste, stabilste und respektvollste. Weil er nicht nur Verhalten verändert – sondern die Beziehung als Ganzes stärkt.
Und am Ende sind es nicht die „Sitz-Platz-Aus“-Kommandos,
die uns verbinden – sondern die kleinen Momente, in denen wir einander wirklich sehen.
✅ Verstehen statt funktionieren.
✅ Beziehung statt Kontrolle.
Hund sein dürfen – statt immer nur „brav“ sein müssen und gehorchen 💛
"Oh, nicht noch einen Artikel über die Flexleine…"
Vielleicht ist dir das gerade durch den Kopf gegangen, aber ich möchte gerade zu Beginn sagen, ja, es ist ein weiterer Artikel darüber aber unter einem Aspekt, den ich so noch nicht gelesen habe.
Ich habe die Flexleine oder auch Rollleine mal unter dem technischen Aspekt betrachtet.
Mein Hauptberuf hat einen technischen Hintergrund, wo ich mit verschiedenen Messmaschinen arbeite.
Das brachte mich auf eine Idee… (keine Angst, es wird nicht zu physikalisch…)
Ich habe immer noch eine Flexleine zu Demonstrationszwecken,
wie schädlich und gefährlich sie sein kann.
Ja, bei meinen ersten Hunden habe ich sie benutzt,
weil ich es nicht besser wusste.
Es ist noch eine, mit Kordel und sicher 10 Jahre alt.
Es ist die Flexi Gr. S für Hunde bis 12 kg mit einer Seil Leine von 5m.
Auf den Beschreibungen der Leinen steht ja nur drauf, für welche
"Hundegewichtsklasse" sie geeignet sind, aber nie wieviel Rollwiederstand vorhanden ist.
Da ich nur diese eine Leine habe und auch keine weitere kaufen möchte, weiss ich nicht, ob es für grössere, schwere Hunde auch noch mehr Rollwiderstand gibt oder es einen Unterschied zu den Gurt-Flexleinen gibt.
Der Rollwiderstand verhindert ja, dass die Leine durchhängt, auf dem Boden schleift und sie immer wieder über eine Feder zurück in den "Handkasten" rollt, damit ich als Mensch nicht nachfassen muss. Da meine Leine auch schon älter ist, kann ich mir vorstellen, dass die Federspannung auch schon etwas nachgelassen hat.
Ich habe nun meine Flexleine genommen und die Auszugskraft getestet, das heisst:
Wieviel Kraft muss der Hund aufwenden, damit er den Rollwiderstand der Leine überwindet, um nach vorne zu kommen?
Die aufgewendete Kraft beträgt 1.884 N (Newton).
Diese Kraft kann man mit einer Formel umrechnen und dann kommt man auf 192 gr.
Hört sich ja erst mal nicht viel an, aber wenn man die Proportionen dazu betrachtet, sieht das schon anders aus.
Nehmen wir mal einen Hund mit 10 kg Körpergewicht, dafür ist die Leine ja ausgelegt.
Sobald also die Flexleine ein wenig ausgerollt ist, ziehen und zuppeln an dem Hund ständig 192 gr. Und im ungünstigsten Fall noch über das Halsband am Hals, einfach so, wenn er läuft, OHNE das die Stoppfunktion benutzt wird.
Um es nun mal proportional steigen zu lassen und um als Mensch ein Gefühl dafür zu bekommen, wie viel Gewicht das ist, habe ich es mal zusammengestellt:
(Einfacherweise mit 200 gr. gerechnet und wie gesagt alte Leine und mit Toleranz).
|
Gewicht |
Zugkraft |
|
Hund 10kg |
200 gr. |
|
Mensch 50 kg |
1 kg |
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Mensch 75 kg |
1.5 kg |
|
Mensch 100 kg |
2 kg |
Das heisst:
wenn ein 75 kg schwerer Mensch an dieser Flexleine zieht, muss er 1.5 kg Rollwiderstand überwinden, um die Leine auszuziehen und nach vorne zu kommen
Oder anders ausgedrückt, wenn die Flexleine ein wenig ausgerollt ist, ziehen und zuppeln einem Menschen mit einem Körpergewicht von 75 kg ständig 1.5 kg am Hals.
Und jetzt stell dir vor, als Mensch hast du auf JEDEM Spaziergang diesen zuppelnden Zug auf deinem Hals… mmh… ich glaube nicht, dass das angenehm ist…
Weiteres muss ich nicht dazu schreiben, was es für die innenliegenden Strukturen im Hals eines Hundes bedeutet. Das kann man auch hier nachlesen:
Jetzt könnte man sagen, ja dann nehme ich die Leine am Geschirr, wäre ja auch möglich.
Doch was passiert dabei?
Hat der Mensch z.B. einen Rucksack an von 1.5 kg, ist das sicher angenehmer als am Hals.
Das Gewicht ist gut verteilt auf die Schultergurte, evtl. auch noch auf einen Hüftgurt.
Aber was passiert mit der Körperachse des Menschen?
Sie geht automatisch nach vorne, um das Gleichgewicht zu halten und vernünftig laufen zu können, macht ja auch Sinn. Wir wissen, dass wir einen Rucksack anhaben und der auch nicht immer dabei sein wird.
Hat ein Hund nun dieses Gewicht bei jedem Spaziergang am Geschirr, reagiert er anders als ein Mensch, er geht ja auch auf vier Beinen und die Körperachse ist anders als bei Zweibeinern.
Er reagiert mit dem sogenannten Oppositionsreflex, er rennt und zieht weiter nach vorne.
Dieser Reflex ist sinnvoll, um das Gleichgewicht zu halten, aber um gesund an der Leine zu laufen doch eher kontraproduktiv. Sein Körper neigt und stemmt sich im Gesamtbild nach vorne.
Wenn er obendrein auch noch an einem falschen Geschirr, wo die natürliche Schulter Rotation unterbunden wird, wie z.B. bei einem Norweger Geschirr oder diese Geschirre mit den lustigen Kletts an der Seite geführt wird, sind falsche Belastungen der Muskeln und Gelenke, Verspannungen und schlussendlich Schmerzen die Folge.
Auch bei Schleppleinen muss auf das Gewicht geachtet werden, gerade wenn sie 10 m und länger sind. Gurtband, Biothane und Co. gibt es mittlerweile in vielen verschiedenen Strukturen und Grössen, je breiter und länger, desto schwerer die Leine.
Auch auf die Karabinergrösse muss geachtet werden. Jedes Gramm zu viel geht auf Muskeln, Gelenke und Strukturen im Hundekörper.
Also weder am Halsband noch an einem Geschirr sollte eine Flexleine benutzt werden.
Die Nachteile sind ja schon in vielen Artikeln und Beiträgen geschrieben worden.
Sie dient eigentlich nur einem Aspekt, der Bequemlichkeit des Menschen.
Gebt acht auf eure Fellis ♥
Warum moderne Hundearbeit tiefer schaut…
Kennst du diese Reels, in denen Hunde geschubst, gerammt oder auf den Rücken gedrückt werden, weil sie „nicht hören“ oder „Problemverhalten zeigen“?
Da wird mit alten, dominanzgeprägten Methoden gearbeitet – festhalten, runterdrücken, blockieren – und das Ganze als angeblich notwendige „Konsequenz“ verkauft.
Leider werden solche Videos tausendfach gefeiert. Von Trainern, die sich inszenieren als die Einzigen, die mit „solchen Hunden“ klarkommen. Und von Zuschauern, die nicht wissen, was da eigentlich wirklich passiert.
Doch die Wahrheit ist:
So arbeitet man heute nicht mehr – und so sollte auch niemand mit deinem Hund umgehen.

Gezeigtes Verhalten ist Kommunikation!
Wie soll sich ein Hund denn sonst mitteilen?
Wenn ein Hund bellt, an der Leine zieht, Dinge zerstört oder plötzlich nicht mehr „funktioniert“ wie gewohnt, ist der erste Impuls vieler Menschen: „Wie bekomme ich das weg?“ Doch genau hier liegt der Denkfehler.
Denn das, was wir sehen – das gezeigte Verhalten – ist nur die Spitze des Eisbergs.
Darunter, im Verborgenen, liegen unzählige Einflussfaktoren, Emotionen und Bedürfnisse, die auf dieses Verhalten einzahlen.
Wenn wir lernen, diese „unsichtbare Seite“ zu erkennen und zu verstehen, können wir nicht nur Probleme nachhaltiger lösen – wir bauen auch eine tiefere Verbindung zu unserem Hund auf.
Verhalten = Erregung + Emotion
Verhalten entsteht nie im luftleeren Raum. Was wir sehen, ist ein Resultat innerer und äusserer Zustände:
Diese Mischung ergibt das, was aussen sichtbar wird.
Und oft: je stärker Erregung und/oder Emotion, desto intensiver das Verhalten.
Beispiel:
Ein Hund, der bei Hundebegegnungen plötzlich bellt und zieht, tut das möglicherweise nicht, weil er „dominant“ ist – sondern weil er aufgeregt, frustriert oder überfordert ist. Vielleicht hat er schlechte Erfahrungen gemacht oder kennt keine Strategien, um sich anders mitzuteilen.
Die unsichtbare Tiefe – was alles Verhalten beeinflusst
Was im Verhalten sichtbar wird, ist nur ein winziger Teil dessen, was wirklich in Bewegung ist.
Unterhalb der Wasseroberfläche, also hinter dem gezeigten Verhalten, liegt beim Hund eine ganze Welt von Einflüssen und die eigentliche Komplexität.
Hier einige der wichtigsten Einflussfaktoren, die oft unbemerkt bleiben:
Körper, Schmerzen & Verspannungen
Ein kranker oder verspannter Körper verhält sich anders – das gilt auch für Hunde. Schmerzen, Entzündungen oder organische Probleme (wie z. B. an Schilddrüse, Magen-Darm oder Bewegungsapparat) wirken sich oft direkt auf das Verhalten aus. Häufig zeigt sich das in Form von Aggression, Rückzug oder plötzlich „unerklärlichem“ Bellen. Leider wird schmerzbedingtes Verhalten noch immer oft übersehen – dabei ist ein schmerzfreier Hund meist auch ein deutlich ausgeglichenerer Hund. Schmerzen sind oft der Hauptgrund für unerwünschtes Verhalten!
Hormonelle Zustände
Hormone beeinflussen Verhalten. Das gilt bei Hündinnen während der Läufigkeit, Scheinträchtigkeit oder bei hormonellen Ungleichgewichten (z. B. durch Kastration). Auch bei Rüden können Testosteron und Stresshormone Verhalten wie Markieren, Revierverhalten oder Unruhe verstärken.
Ernährung
Was im Napf landet, hat Einfluss auf Körper und Verhalten. Ein unausgewogenes Futter kann das Energielevel verändern, die Konzentrationsfähigkeit beeinträchtigen oder zu Reizbarkeit führen. Auch Unverträglichkeiten oder ein dauerhaft überfüllter oder leerer Magen können Stress im Körper erzeugen – und der zeigt sich oft im Aussen.
Aktivität & Bewegung
Hunde brauchen Beschäftigung – aber angepasst an ihr individuelles Bedürfnis, ihre Fähigkeiten und ihre Persönlichkeit.
Nicht jeder Hund möchte joggen oder am Fahrrad mitlaufen (übrigens in Österreich sogar verboten), und nicht jeder braucht tägliche Action.
Zu viel Reizüberflutung oder falsch verstandene „Auslastung“ gehören – genauso wie Schmerzen – zu den häufigsten Ursachen für sogenanntes „Problemverhalten“.
Würden mehr Menschen die echten Bedürfnisse ihres eigenen Hundes erkennen und respektieren, bräuchte es viel weniger „Hundetrainer“, die eigentlich den Menschen trainieren. Entscheidend ist die Balance: Es geht nicht um viel – sondern um passend.
Schlaf & Ruhe
Und ebenso wichtig: Ruhe als Bedürfnis ernst nehmen.
Viele Hunde bekommen zu wenig echte Erholung – dabei ist Schlaf und Rückzug genauso entscheidend wie Bewegung. Denn nur ein Hund, der wirklich zur Ruhe kommen darf, kann auch ausgeglichen und belastbar sein.
Hunde brauchen deutlich mehr Schlaf, als viele denken – bis zu 18–20 Stunden Schlaf- und Ruhezeit täglich, je nach Alter und Typ. Zu wenig Schlaf oder ständige Unterbrechungen senken die Frustrationstoleranz, erhöhen das Stresslevel und machen Hunde schneller gereizt oder überdreht.
Emotionale Zustände wie Angst oder Frust
Hunde sind emotionale Wesen. Angst (vor Geräuschen, Menschen, alleine sein, anderen Hunden…) oder Frust (z. B. durch ständige Einschränkungen, unnötige Übungen zur Frustrationstoleranz oder Impulskontrolle, fehlende Belohnungen) machen sich deutlich bemerkbar – oft durch Bellen, Knurren, Rückzug oder überdrehte Energie, die sich in anderen Situationen plötzlich entlädt.
Auch Ressourcenverteidigung – also das Verteidigen von Futter, Spielzeug, Liegeplätzen oder sogar Bezugspersonen – hat meist emotionale Ursachen: Unsicherheit, Kontrollverlust oder die Angst, etwas Wertvolles zu verlieren. Emotionen sind die „Sprache hinter dem Verhalten“.
Vergangene Erfahrungen & Traumata
Hunde erinnern sich. Schlechte Erfahrungen, plötzliche Erlebnisse oder chronische Überforderung prägen Reaktionen. Was heute wie eine „Unart“ aussieht, kann die Folge von alten Mustern oder Schutzverhalten sein. Besonders bei Tierschutzhunden ist es wichtig, mit der Vergangenheit zu arbeiten – nicht dagegen.
Genetik, Epigenetik, Alter, Entwicklungsphasen
Ein Schäferhund verhält sich anders als ein Mops – das ist keine Bewertung, sondern Genetik. Rassemerkmale, individuelle Veranlagung, äussere Einflüsse in den Entwicklungsphasen bringen bestimmte Verhaltensweisen mit sich. Auch das Alter spielt eine Rolle: Junge Hunde probieren aus, ältere reagieren manchmal sensibler. Entwicklungsphasen wie die Pubertät können Verhaltensauffälligkeiten „plötzlich“ erklären.
Reizdichte im Alltag
Zu viele Eindrücke, zu wenig Struktur – das stresst. Manche Hunde leben in einem Umfeld, das sie permanent reizüberflutet: Lärm, Hektik, Kinder, Verkehr, Besuch, Hundehort, mitnehmen an den Arbeitsplatz, ständiges Training, Hundebegegnungen… Sie finden kaum zur Ruhe, sind ständig in Alarmbereitschaft. Das zeigt sich irgendwann im Verhalten – sei es durch Aggression, Unruhe, Dinge zerstören oder zusammenfressen oder auch Rückzug.
Der Umgang des Menschen – fair, überfordernd oder sogar aversiv?
Unsere eigene Haltung hat enormen Einfluss. Druck, Ungeduld, Strafen oder Missverständnisse bringen Hunde schnell aus dem Gleichgewicht. Ein unsicherer, nervöser oder inkonsequenter Mensch verunsichert auch den Hund. Umgekehrt wirkt Klarheit, Fairness, Empathie und Vertrauen fast wie ein „emotionales Fundament“ im Alltag.
Auch die Ausrüstung spielt eine wichtige Rolle
Nicht nur unser Verhalten, auch das, was wir dem Hund anziehen, wirkt auf sein Wohlbefinden. Halsband, Geschirr und Leine sind oft unterschätzte Faktoren – dabei beeinflussen sie unmittelbar, wie sicher, frei oder gestresst sich ein Hund fühlt.
Im Winter kann auch mal ein Mäntelchen notwendig werden, denn Hunde sind mit ihrem Bauch viel näher am eiskalten Boden als wir und Fell ist nicht gleich Fell.
Ausrüstung – passend, bequem & fair
Was dein Hund trägt, beeinflusst sein Verhalten. Ein gut sitzendes Geschirr (keine Schulterblockade!) ist immer die bessere Wahl als ein Halsband – wenn keine medizinisches Problem an der Wirbelsäule vorliegt. Lange Leinen (> 5m) geben Bewegungsfreiheit und helfen, Konflikte zu vermeiden, weil der Hund selbst Abstand wählen kann. Mit zu kurzen Leinen drücken wir Hunde oft in Situationen, die sie gar nicht möchten. Mit ein wenig Übung gelingt das überall – auch in der Stadt.
Finger weg von Stachel-, Strom- oder Vibrationshalsbändern!
Diese Mittel sind tierschutzwidrig, arbeiten mit Schmerz oder Angst – und haben im modernen Hundetraining nichts verloren. Gute Ausrüstung unterstützt – sie tut nicht weh.
Moderne Hundearbeit fragt nicht:
„Wie kriege ich das weg?“ – sondern: „Warum zeigt der Hund das?“
In vielen Köpfen steckt noch immer die Idee: Wenn ein Hund „nicht funktioniert“, muss man das Verhalten schnellstmöglich abstellen – möglichst mit Nachdruck.
Doch diese Sichtweise ist längst überholt – und gefährlich.
Moderne Hundearbeit denkt anders. Sie sieht Verhalten nicht als Störung, sondern als Ausdruck eines inneren Zustands.
Sie fragt nicht nach dem Symptom – sie sucht die Ursache, denn Verhalten ist immer Kommunikation.
Gute Trainer:innen blockieren nicht – sie beobachten.
Statt den Hund zu unterbrechen, zu blockieren oder gar zu bestrafen, wird erstmal genau hingeschaut:
Beobachtung ist die Grundlage – nicht Bewertung.
Sie rammen nicht – sie fragen.
Ein Hund, der knurrt, zieht, bellt oder „nicht hört“, wird nicht konfrontiert, sondern verstanden:
- Was will mir der Hund gerade sagen?
- Welche Emotion steckt dahinter?
Fragen zu stellen heißt: den Hund ernst zu nehmen – als fühlendes, denkendes Wesen mit Bedürfnissen.
Sie halten nicht fest – sie begleiten.
Statt zu kontrollieren, wird geführt – mit Empathie, Geduld und Wissen.
Das bedeutet:
Der Hund ist kein Gegner, der „in seine Schranken gewiesen“ werden muss, sondern ein Partner, der Orientierung sucht.
Nicht jedes Verhalten ist ein Problem.
Manchmal ist es einfach:
Was wir als „unerwünscht“ empfinden, ist oft ein hilfloser Versuch, mit einer Situation zurechtzukommen.
Und genau hier beginnt echtes Hundetraining: beim Verständnis, nicht bei der Korrektur.
Was kannst du als Hundehalter:in tun? –
Erste Schritte mit Herz und Verstand
Wenn dein Hund ein Verhalten zeigt, dass dich irritiert, stresst oder herausfordert, dann ist der erste Impuls oft: „Wie kriege ich das weg?“
Doch viel hilfreicher ist die Frage: „Warum zeigt er das überhaupt?“
Hier sind Gedanken und Ansätze, die dir helfen können, tiefer zu schauen – und deinen Hund besser zu verstehen:
Beobachte – ohne zu bewerten
Verhalten ist immer Kommunikation.
Schau genau hin: Was passiert vorher? Was danach? In welcher Intensität? Wie wirkt dein Hund körperlich und emotional? Wie geht es dir selbst in der Situation?
Das Ziel ist nicht, zu urteilen – sondern zu verstehen.
Denke an den Eisberg
Frage dich: Welche unsichtbaren Faktoren könnten gerade mitschwingen?
Vielleicht hat dein Hund Schmerzen, ist gestresst, müde oder überfordert. Was war los in letzter Zeit? Oft liegt der Schlüssel unter der Oberfläche – nicht im sichtbaren Verhalten.
Hol dir Unterstützung
Du musst nicht alles allein herausfinden.
Ein positivarbeitender Hundetrainer oder Verhaltenstherapeut kann helfen, Ursachen aufzudecken – fair, einfühlsam und individuell. Auch tierärztliche Abklärung (z. B. bei Verdacht auf Schmerzen) kann sinnvoll sein.
Arbeite beziehungsorientiert – nicht symptomorientiert
Statt Verhalten einfach „wegtrainieren“ zu wollen, lohnt sich ein anderer Weg: Was braucht mein Hund in diesem Moment?
Schenke ihm Sicherheit, Orientierung und emotionale Unterstützung – nicht Kontrolle oder Druck.
Sorge für Sicherheit, Ruhe und Struktur
Ein verlässlicher Alltag, Rückzugsorte, ruhige Phasen und klare Abläufe helfen deinem Hund, runterzufahren. Faire Grenzen durch Leitplanken können auch ruhig und konsequent gestaltet werden, sie geben Vertrauen und Sicherheit.
Denn ein Hund, der sich sicher fühlt, zeigt automatisch weniger Stressverhalten.
Gib euch Zeit – und vertrau deinem Gefühl
Es gibt selten schnelle Lösungen. Aber viele gute Wege. Vertrau deinem Bauchgefühl – du kennst deinen Hund.
Und achte darauf, wem du dich und ihn anvertraust:
Laut und körperlich ist nicht gleich richtig. Empathie ist leise – aber stark.
Freude am Hundsein – weil es nicht immer ein „Problem“ braucht, sondern Raum für echte Bedürfnisse
Bei all den Gedanken zu Verhalten, Ursachen, Management und Training dürfen wir eines nicht vergessen:
Hunde sind keine Dauerbaustellen und keine Maschinen, die man repariert, wenn sie „nicht funktionieren“.
Sie sind feinfühlige, einzigartige Gefährten, die das Leben mit uns teilen – mit eigenen Bedürfnissen, Persönlichkeiten und kleinen Eigenheiten. Sie wollen schnüffeln, spielen, entdecken, sich sicher fühlen - nicht perfekt funktionieren, sondern echt Hund sein dürfen.
Und genau das sollten wir ihnen jeden Tag ermöglichen, darin liegt ihre Schönheit – und unsere Verantwortung. Würden diese Dinge viel mehr berücksichtigt, was Hundedinge wirklich sind, wären viele Hundetrainer arbeitslos.
Ich liebe den Gedanken:
"Nicht der Hund begleitet mich beim Spazierengehen – sondern ich begleite ihn."
Es ist seine Zeit, in der er sich entfalten darf, entdecken kann, zur Ruhe kommt – oder einfach glücklich ist. Und wenn wir das bewusst zulassen, entsteht echte Quality Time: für den Hund und für uns.
Bedürfnisbefriedigung bedeutet nicht nur „Problemverhalten verhindern“, sondern auch der Moment im Hier und Jetzt zu sein:
✨ Freude zulassen
✨ Freiheit ermöglichen
✨ gemeinsam geniessen
✨ Routine, die Sicherheit gibt
✨ Ruhe, die das Nervensystem entlastet
✨ Raum und Zeit geben, um sich in ihrem eigenen Tempo entwickeln zu dürfen
Veränderung braucht Geduld, Entwicklung braucht Vertrauen. Und Lebensfreude entsteht dort, wo Bedürfnisse erkannt und respektiert werden – nicht nur die offensichtlichen, sondern auch die leisen.
Manchmal ist das Wichtigste, was wir für unsere Hunde tun können:
Ihnen Zeit, Raum und Liebe zu schenken, um sie ganz sie selbst sein zu lassen!